Retrospektive

Das Filmfest Bremen präsentiert ausgewählte Arbeiten der Filmpreisträgerin in einer Retrospektive. Wie soll man mit einer kleinen Auswahl, einem derartigen Lebenswerk gerecht werden? Von Querschnitt zu sprechen, scheint bei über 150 Filmen kaum angemessen. Entsprechend sorgsam ist hier zu wählen: Die verrückte Komödie „ Protest“ mit Gorilla-Attacke und einem trotzkistischen Unterton von 1966? Ihre Darstellung von Elisabeth der I. in Roland Emmerichs umstrittenem „Anonymus“ von 2011? Die Auswahl ist schier endlos.

 

Auch an politischen Dokumentarfilmen hat sie sich beteiligt, als Produzentin und Interviewerin in dem umstrittenen The Palestinian von 1977 sowie mit ihrer ersten eigenen Regiearbeit „Sea Sorrow“ von 2017. Sicher nicht fehlen darf Vanessa Redgraves internationaler Durchbruch in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ von 1966. In dem oft als Porträt der Beat-Generation bezeichneten Film um einen fotografierten Mord spielt Redgrave eine geheimnisvolle Unbekannte. Vanessa Redgraves Leben und Arbeit ist schwer zu trennen.

 

Sie ist nicht nur durch ihr herausragendes Spiel in außergewöhnlichen und erfolgreichen Filmen bekannt geworden, wie zum Beispiel im dreifach oscarprämierten „Wiedersehen in Howards End“, wo sie neben Helena Bonham-Carter, Emma Thompson und Anthony Hopkins brillierte. Redgrave hat die Bühne immer auch für ihre politische Überzeugung genutzt. Für ihre bewegende Titel-Rolle einer Widerständlerin in der Nazizeit in „Julia“ erhielt sie den Oscar als beste Nebendarstellerin. Angefeindet und bedroht wegen ihrer Rolle in „The Palestinian“ nutzte Vanessa Redgrave die Preisverleihung für ein politisches Statement und löste damit einen Skandal aus.

Blow Up

 

 

 

 

 

Donnerstag 16. April – 14:00,

Schauburg

 

Freitag 17. April – 21:30,

Schauburg

 

Eine Einführung und Filmvorstellung zu dem Filmphänomen „Blow Up“:

 

„Modefotograf Thomas macht beiläufig ein etwas voyeuristisches Foto von einem Mann und einer jungen Frau in den Armen des anderen auf einer Parkbank. Die junge Frau (Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave) folgt Thomas nach Hause und schläft mit ihm im Austausch für das Foto. Aber Thomas behält das Negativ, und als er es vergrößert, scheint das, was wie ein fleischlicher Moment wirkte, Mord zu sein. Thomas kehrt in den Park zurück und stellt fest, dass der Mann auf dem Foto tot ist. Doch als Thomas das Foto erneut vergrößert, bemerkt er einen Schatten im Gebüsch, der der Lauf der Waffe sein könnte. Ist die Frau, mit der Thomas Liebe gemacht hat, eine Mörderin? Die Realität scheint sich mit jedem Blow-Up zu ändern.“

Freitag 17. April – 13:00,

Gondel

 

 

Margaret Schlegel trauert um die kürzlich verstorbene Ruth Wilcox, mit der sie eine kurze, aber herzliche Freundschaft verband. Die konservative Familie Wilcox aber verschweigt Ruths letzten Wunsch, Margaret das geliebte Landhaus Howard’s End vererben zu wollen.

 

Jahre später finden Margaret Schlegel und Ruths Witwer Henry als Paar zueinander und heiraten. Der Unterschied zwischen der freidenkenden, kulturliebenden Familie Schlegel und den traditionell viktorianischen Mitgliedern der Familie Wilcox bleibt aber weiterhin bestehen.

Sea Sorrow

 

 

 

 

 

Samstag 18. April – 13:30, Schauburg

 

 

„Sea Sorrow“ markiert Vanessa Redgraves Debüt als Filmregisseurin und ist eine sehr persönliche, dynamische Meditation über die aktuelle globale Flüchtlingskrise durch die Augen und Stimmen von Aktivisten und Kindern, wobei Vergangenheit und Gegenwart, Dokumentarfilm und Drama in ihrer Reflexion über die Bedeutung der Menschenrechte vermischt werden.

Julia

 

 

 

 

Sonntag 19. April – 11:30,

Schauburg

 

 

 

Eine erfolgreiche amerikanische Schriftstellerin erinnert sich an ihre von den Nationalsozialisten ermordete Freundin. Julia ist das Drama des bewegten Lebens der jüdischen, linken Schriftstellerin Lillian Hellmann (1905-1984, »The Children’s Hour«, »The Little Foxes«), basierend auf ihrer Autobiografie »Pentimento«. Fred Zinnemanns Spätwerk wurde 1977 mit drei »Oscars« für das beste Drehbuch und die besten Nebendarsteller ausgezeichnet.

Sonntag 19. April – 17:00,

Schauburg

 

 

 

Sherlock Holmes‘ heftiger Gebrauch von Kokain beschert ihm wahnhafte Fantasien und lässt ihn im ehemaligen Hauslehrer der Familie Holmes, Professor James Moriarty einen Superschurken erkennen, den er um jeden Preis dingfest machen will. Dr. Watson und Mycroft Holmes locken den Geplagten bei der vermeintlichen Jagd nach dem Kriminellen in Wien in die Praxis des Psychoanalytikers Dr. Sigmund Freud, der, so hoffen die beiden Freunde, den Meisterdetektiv von seiner Sucht und seinen Wahnvorstellungen befreien kann. Während der Psychoanalyse berichtet Freud Holmes von einer Patientin und einem Fall, der möglicherweise auf ihn wartet. Nachdem Holmes Freud einige Kniffe der Spurensicherung beigebracht hat, machen sie sich gemeinsam daran, den Fall der Patientin zu lösen

Retro Sneak

Der geheime Kultfilm

 

 

 

Sonntag 19. April – 21:30,

Cinema

 

 

 

Wie das Filmfest mit de Retrospektive begonnen hat, so endet das Filmfest Bremen auch mit einem FSK-18-Film in der Retrospektive.

 

Nonnen, Blut und Religion – eine perfekte Kombination, um einen Sonntagabend ausklingen zu lassen, kurz bevor man wieder in die Realität des Montags zurückkehren muss. Kostenlosen Eintritt erhalten die üblichen Verdächtigen: Inhaber:innen von Festivalpässen oder Akkreditierungen, alle die bereits ein Ticket für den vorherigen Film der „WEIRD XPERIENCE“ Reihe gelöst haben, sowie all diejenigen, die die Qualen der Kirchensteuer vorweisen können.